Die drei Kuniberts

 

Es waren einmal drei liebe Ritter, die hießen alle drei – na, wie heißen Ritter meistens? Genau, Kunibert.
Damit man sie unterscheiden konnte, wurde der erste "der kluge Kunibert", der zweite "der starke Kunibert" und der dritte, der nicht besonders schlau war, "der dumme Kunibert" genannt.

 
 
Der kluge, der starke und der dumme Kunibert

 

Eines Tages ritt der dumme Kunibert durch eine Landschaft, in der 100 wilde Räuber wohnten. Weil alle Menschen wußten, daß diese bösen Kerle dort hausten, ging keiner in diese Gegend.
Der dumme Kunibert jedoch hatte es vergessen und so ritt er direkt auf das Haus der Räuberbande zu.

Sofort kam der Räuberhauptmann Zuselbart auf ihn zu und sprach mit verstellter Stimme:

 

"Herzlich willkommen, edler Ritter, sei unser Gast und komm mit uns ins Haus."
Der dumme Kunibert folgte ihm und der Räuberhauptmann Zuselbart sagte:
" Geh durch dieses Türchen und du wirst unsere Weinvorräte finden. Such den besten Wein für unser Essen aus."
Das war natürlich vom Räuberhauptmann Zuselbart gelogen. In Wahrheit schickte er den dummen Kunibert in einen Käfig und als der Ritter drinnen war, warf er die Tür zu und schloß ab.
" Hurra," schrieen alle bösen Räuber, "wir haben einen Ritter gefangen."
Räuberhauptmann Zuselbart sprach:
" Wenn der schlaue und der starke Kunibert ihren Freund wiederhaben wollen, dann müssen sie uns eine Kiste mit Gold dafür geben."
" Jawohl," riefen alle Räuber durcheinander, "eine Kiste Gold wollen wir haben."
Und so wurde Räuber Pupsmeier losgeschickt, um dem schlauen und dem starken Kunibert die Forderung zu überbringen.
" Was?" schrie der starke Kunibert. "Die Räuber kriegen gar nichts. Ich bin der starke Kunibert und werde den dummen Kunibert befreien."
Er nahm sein Schwert, sattelte sein Pferd und ritt zum Räuberhaus.
Unterwegs kam er an einem Ameisenhaufen vorbei.
" Hilf uns," riefen die Ameisen, "die bösen Räuber haben den Fluß gestaut und jetzt läuft der See über und das Wasser rinnt durch unseren Ameisenhaufen."
" Keine Zeit," erwiderte der starke Kunibert, "ich muß den dummen Kunibert befreien."
Er ritt weiter und kam an ein Adlernest. Die Adlermutter rief ihm zu:
" Hilf uns, unser Junges ist aus dem Nest gefallen und wir können es nicht wieder hoch holen, wir haben ja keine Hände. Und unsere Krallen sind zu scharf, damit könnten wir ihm weh tun."
" Keine Zeit," rief der starke Kunibert, "ich muß den dummen Kunibert befreien."
Nach einer Weile kam er an einen ausgetrockneten Fluß, aus dem die Krokodile riefen:
" Hilf uns, unser Fluß ist ausgetrocknet und wir wissen nicht warum. Ohne Wasser können wir nicht leben."
Auch hier sprach der starke Kunibert:
" Keine Zeit, ich muß den dummen Kunibert befreien."
Endlich kam er an das Räuberhaus.
" Kommt raus, ich bin der starke Ritter Kunibert," rief er zu den Räubern, "ich will mit euch kämpfen und den dummen Kunibert befreien."
Mit 10 Räubern wäre der starke Kunibert leicht fertig geworden. Aber 100 wilde Räuber waren auch für ihn zuviel. So nahmen die Räuber auch ihn gefangen und sperrten ihn in den Käfig, in dem schon der dumme Kunibert saß.

"Räuber Pupsmeier, sattele dein Pferd, "sprach der Räuberhauptmann Zuselbart, "und überbring dem schlauen Kunibert die Nachricht, daß wir zwei Ritter gefangen haben und jetzt zwei Kisten Gold fordern."

Als der schlaue Kunibert das hörte, erschrak er. Er hatte ja nicht einmal eine Kiste voll Gold, höchstens eine Halbe.


Der starke Kunibert wird gefangen genommen


Und wenn die Räuber sogar den starken Kunibert gefangen nehmen konnten, dann mußten sie wirklich gefährlich sein.
So machte sich auch der schlaue Kunibert auf den Weg die Freund zu befreien..
" Hilf uns die bösen Räuber haben den Fluß gestaut und jetzt läuft der See über und das Wasser rinnt durch unseren Ameisenhaufen."
" Soviel Zeit muß sein," dachte der schlaue Ritter Kunibert, "wenn jemand in Not ist, muß man ihm helfen."
Er holte einen Spaten, der an seinem Pferd hing und grub einen Graben, so daß das Wasser an dem Ameisenhaufen vorbei fließen konnte.
" Danke," sprach die Ameisenkönigin, "nun können wir wieder in Ruhe leben. Zum Dank nimm diese Körner. Sie duften sehr stark und wenn du mal unsere Hilfe brauchst, so wirf sie in die Luft und wir eilen herbei."
" Ach," seufzte der kluge Kunibert, "wenn ihr Löwen wärt, dann könntet ihr mir gegen die Räuber mit eurer Schnelligkeit, Kraft und scharfen Zähnen helfen. Aber habt Dank."
Und so kam auch er an den Adlerhorst:

 

 

Der kluge Kunibert rettet den kleinen Adler
"Hilf uns, unser Junges ist aus dem Nest gefallen und wir können es nicht wieder hoch holen, wir haben ja keine Hände. Und unsere Krallen sind zu scharf, damit könnten wir ihm weh tun", rief die Adlermutter. "Soviel Zeit muß sein," dachte der schlaue Ritter Kunibert, "wenn jemand in Not ist, muß man ihm helfen." Vorsichtig setzte er den jungen Adler zurück ins Nest.
" Danke," sprach die Adlermutter, "nun kann unser kleiner in Ruhe aufwachsen. Zum Dank nimm diese kleine Leuchtkugel.
 
 
Wenn du sie in die Luft wirfst, werden alle Adler, die sie mit ihren scharfen Augen erspähen, dir zur Hilfe eilen."
" Ach," seufzte der kluge Kunibert, "wenn ihr Löwen wärt, dann könntet ihr mir gegen die Räuber mit euren scharfen Zähnen helfen. Aber habt Dank."
Nach einer Weile kam er zu den Krokodilen. Auch sie riefen ihm zu:
" Hilf uns, unser Fluß ist ausgetrocknet und wir wissen nicht warum. Ohne Wasser können wir nicht leben."
" Soviel Zeit muß sein," dachte der schlaue Ritter Kunibert, "wenn jemand in Not ist, muß man ihm helfen."
Er wußte ja von den Ameisen, daß die Räuber den Fluß gestaut hatten und sprach zu den Krokodilen:
" Ich kenne den Grund, warum ihr kein Wasser mehr habt. Wartet eine Weile, ich gehe los und bring euch das Wasser zurück."
" Oh danke, lieber Ritter, und wenn du unsere Hilfe brauchst, dann komm zum Fluß und wir werden dir beistehen."
" Ach," seufzte der kluge Kunibert, "wenn ihr Löwen wärt, dann könntet ihr mir mit eurer Schnelligkeit gegen die Räuber helfen. Ihr müßt jedoch immer in der Nähe des Wassers bleiben, um leben zu können. Aber habt Dank."
Er ging flußaufwärts und fand bald eine Mauer, die den Fluß staute. Mit seinem scharfen Schwert schlug er ein großes Loch in diese Mauer und sofort sprudelte das Wasser zu den Krokodilen.
Nach einer Weile kam er zu dem Räuberhaus. Als Räuberhauptmann Zuselbart den schlauen Kunibert erblickte rief er sofort:
" Räuber, zu den Waffen, fangt den Ritter."
Die Räuber schnappten ihre Schwerter, Lanzen und Pistolen und liefen auf den schlauen Kunibert zu.
Der schlaue Kunibert kriegte es mit der Angst zu tun. In seiner Not warf er die Leuchtkugel so hoch er konnte.
Im nächsten Augenblick stürzten 100 Adler vom Himmel herab und packten mit ihren Krallen alle Waffen der Räuber und flogen damit davon. Die Räuber standen da und guckten ziemlich dumm.
Räuberhauptmann Zuselbart schrie ärgerlich:
" Sauerei, Räuber ohne Waffen sind nur noch halbe Räuber. Aber wir sind 100 gegen einen. Fangt diesen Ritter."
Und alle 100 Räuber verfolgten den einen Ritter. Aber der war ja schlau. Der kluge Kunibert lief zum Fluß, zog schnell seine Rüstung aus und sprang ins Wasser.
" Jetzt haben wir ihn, "schrie Räuberhauptmann Zuselbart, "alle Räuber hinterher in den Fluß."
Aber als die Räuber im Wasser waren, kamen die Krokodile angeschwommen. Die Krokodile waren ja lieb und obwohl die Räuber so böse waren, bissen sie sie nicht. Dafür klauten die Krokodile den Räubern aber die Hosen.
" Verdammt und zugenäht," schrie Räuberhauptmann Zuselbart, "Räuber ohne Waffen sind nur halbe Räuber, aber Räuber ohne Hosen sind gar keine richtigen Räuber mehr. Alle Räuber zurück ins Haus."
Da rannten die Räuber so schnell wie sie nie zuvor gelaufen waren. Im Haus angekommen, stellte sie alle Tische und Schränke von innrn vor die Tür.
" Jetzt kann hier kein Adler und kein Krokodil mehr rein. Hier sind wir in Sicherheit," sagte Räuberhauptmann Zuselbart.

 
 


Räuberhauptmann Zuselbart bewacht den
starken und den dummen Kunibert
 
 


Der kluge Kunibert war aber unglücklich. Er hatte seine Freunde ja noch nicht befreit. Und er hatte auch kein Idee, wie er sie hätte aus dem Haus bekommen können. Er war ganz traurig. Weil ihm nicht besseres einfiel, nahm er eine Handvoll von den Körnern und warf sie in die Luft.
Kaum waren die Körner auf die Erde gefallen, strömten aus dem Wald Millionen von Ameisen auf das Räuberhaus zu und gelangten durch kleinste Ritzen im Mauerwerk nach drinnen.
Einige Augenblick später hörte man die Räuber fluchen:
" Verflixt, was krabbelt da auf mir rum und zwickt und zwackt mich? Hilfe, das juckt..."
" Alle Mann raus," schrie Räuberhauptmann Zuselbart, "springt in den Fluß, damit die Ameisen abgehen."
Sofort wurde die Tür aufgemacht und alle Räuber liefen zum Fluß.
" Halt, alle Räuber zurück," schrie nun Zuselbart, "im Fluß sitzen doch die Krokodile."
" Aber wo sollen wir denn hin?" schrieen alle Räuber ohne Waffen und ohne Hosen.
" Rennt weg, so schnell und so weit ihr könnt," schrie nun wieder Räuberhauptmann Zuselbart.
Und so rannten alle Räuber bis nach Amerika oder sogar noch ein Stückchen weiter.
Der kluge Kunibert befreite den starken und den dummen Kunibert, sie kehrten auf ihre Burg zurück und lebten glücklich und zufrieden, genau so wie die Ameisen, die Adler und die Krokodile.

Von den bösen Räubern ohne Waffen und ohne Hosen hat man jedoch nie wieder was gehört.

 

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